Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.
LG Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V.
René Char - Dichter und Widerstandskämpfer
Kurzbiographie
Wir haben Überlebenden die Ehrenmitgliedschaft der Lagergemeinschaft verliehen. Diese Urkunde beinhaltet auch das Gedicht ES LEBE! von René Char, Dichter und Kämpfer der Resistance.

René Char, geboren am 14. Juni 1907 in L’Isle-sur-la-Sorgue in der Provence, gestorben am 19. Februar 1988 in Paris, gehörte in den 1930er Jahren zum Kreis der Surrealisten um André Breton und Paul Eluard. In den Jahren der deutschen Besetzung Frankreichs schloss er sich der Résistance an. Doch er kämpfte nicht mit Worten, sondern organisierte den bewaffneten Widerstand. Als „capitaine Alexandre“ befehligte er ein Maquis im Luberon und im Durance-Tal, das Hauptquartier lag in dem kleinen Dorf Céreste. Ihm unterstanden Hunderte meist junge Männer, von denen viele sich dem Abtransport zur Zwangsarbeit nach Hitler-Deutschland entzogen hatten und in den Untergrund gegangen waren. Zu den Aufgaben der „Section atterrissage et parachutage“, die von de Gaulle und der französischen Exilregierung in London organisiert wurde, gehörte vor allem das Anlegen von Waffen-, Munitions- und Treibstoffdepots für die geplante Landung der Alliierten in Südfrankreich. Waffen, Munition und Treibstoff kamen mit Flugzeugen und wurden zu genau festgelegter Stunde des nachts über vorbereiteten Flächen abgeworfen; von dort wurden sie in oft stundenlangen Märschen in die Verstecke gebracht. Tag und Uhrzeit erfuhr „capitaine Alexandre“ über Code-Worte in Radio London. Eines dieser Code-Worte war „La bibliothèque est en feu“ (Die Bibliothek steht in Flammen). Im Sommer 1944, als die Landung der Alliierten in Südfrankreich unmittelbar bevorstand, wurde René Char nach Algier gerufen, wo sich das Hauptquartier von de Gaulle befand: er sollte die Truppen für ihren Vormarsch durch das Rhonetal beraten und ihnen wichtige Informationen zu den Positionen der Wehrmacht und SS, aber auch zu den Depots und Stützpunkten der Résistance übermitteln. René Char kehrte nach der Befreiung in seine Heimat zurück. Er hatte in den Jahren der deutschen Unterdrückung nicht ein einziges Wort veröffentlicht. Nun überarbeitete er seine Aufzeichnungen aus dem Maquis, niedergeschrieben in einem kleinen Notizheft, und veröffentlichte sie. Es sind Fragmente, Texte zum Nachdenken, Analysen der Situation, Widmungen an ermordete Gefährten, Versuche, sich im Krieg Rechenschaft über Tun und Denken abzulegen, ohne Verherrlichungen und Pathos. Die Erfahrungen der Résistance prägten sein weiteres Werk, es ist eine Poesie des Widerstehens, denn: „Widerstand ist Hoffnung“.
VVN-BdA Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V.