Pressemitteilung Wittenberg, 20.10.98
Den sofortigen Stopp der Umbaumaßnahmen zur Verlegung der Ausstellung in der Gedenkstätte des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Lichtenburg in Prettin/Sachsen-Anhalt hat die Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis bei ihrer Tagung vom 15. bis 19. Oktober in der Lutherstadt Wittenberg durchgesetzt.
Die bislang geplante Verlegung der Ausstellung in wesentlich kleinere Nebenräume des ehemaligen Bunkers, die der Gedenkstättenbeirat Sachsen-Anhalts ohne Einbeziehung der Überlebenden des Konzentrationslagers beschlossen hatte, würde die Ausgliederung der Gedenkstätte aus dem übrigen Museumsbereich und die Reduzierung der Ausstellungsfläche bedeuten. Darüber hinaus verfälscht der bereits begonnene Einbau von Heizung und anderen Installationen die Authentizität des Bunkers, so die Vorsitzende der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis, Rosel Vadehra-Jonas. Der Bunker diente in dem KZ, das 1933 zuerst für Männer, von Dezember 1937 bis Mai 1939 für Frauen von den Nationalsozialisten eingerichtet wurde, zum Vollzug von Prügel- und Arreststrafen. Gertrud Müller, die Ehrenvorsitzende der Lagergemeinschaft und Überlebende des KZ Ravensbrück, sagte: "Wir lassen uns kein zweites Mal in den Bunker einsperren."
Auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion am 18. Oktober sagte der Landrat des Landkreises Wittenberg, Dr. Wulf Littke, die sofortige Beendigung der Umbaumaßnahmen und die Einbeziehung der Organisation der Überlebenden bei der Neukonzeption der Ausstellung zu. Die Lagergemeinschaft fordert, daß Land und Bund zur Verbesserung der finanziellen und personellen Ausstattung der Mahn- und Gedenkstätte Lichtenburg in die Verantwortung genommen werden, um ihrer überregionalen Bedeutung als ehemals zentrales Frauenkonzentrationslager gerecht zu werden. Frauen aus dem gesamten deutschen Reich, nach den Annexionen auch aus Österreich und den tschechoslowakischen Grenzgebieten, wurden in die Lichtenburg verschleppt.
Auf ihrer Jahrestagung besuchte die Lagergemeinschaft, die von Überlebenden der Konzentrationslager Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück gegründet wurde, auch lokale Stätten der Verfolgung, Ausbeutung und Vernichtung im NS-Faschismus. So gedachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Opfer des Wittenberger KZ-Außenlagers Arado, in das 1944 über tausend Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück zur Zwangsarbeit für die Arado-Flugzeugwerke verschleppt wurden. Bei einem Besuch der Gedenkstätte für die Opfer der NS- Euthanasie in Bernburg enthüllte die Lagergemeinschaft eine Tafel zum Gedenken an die Frauen und Männer, die 1942 im KZ Ravensbrück selektiert und in Bernburg vergast wurden.
Ein weiteres Thema des Treffens war die aktuelle Situation der Entschädigung für NS- Verfolgte. Erneut wurde in einer Resolution die sofortige und umfassende Entschädigung aller Opfer des Naziregimes gefordert.
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