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Pressemitteilung Berlin, 19.11.00

Protest gegen geplanten Verkauf des ehemaligen KZ Lichtenburg

Gegen die Pläne der Oberfinanzdirektion Magdeburg, mit dem Verkauf des in Prettin (Sachsen-Anhalt) gelegenen Schlosses Lichtenburg erstmals ein ehemaliges Konzentrationslager zu vermarkten, protestiert die Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V. entschieden. Das Vorhaben war in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der PDS-Bundestagsfraktion damit begründet worden, dass weder Land noch Landkreis zur Übernahme des in Bundesbesitz befindlichen Gebäudes bereit seien. Sachsen-Anhalt hatte die Übernahme der Lichtenburg in das Gedenkstättenkonzept des Landes wegen angeblich fehlender überregionaler Bedeutung abgelehnt.

Nach Ansicht der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis, die von Überlebenden der Frauen-KZ Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück gegründet wurde, verhöhne man damit die Opfer eines der ersten Konzentrationslager der Nazis, das als Vorläufer der KZ Buchenwald und Ravensbrück bis 1939 zur Inhaftierung von politischen Gegnern, Juden, Zeugen Yehovas, Homosexuellen und anderen NS-Verfolgten genutzt wurde. Unter den Häftlingen waren zahlreiche Reichstagsabgeordnete von SPD und KPD, aber auch antifaschistische Schauspieler und bekannte Nazi-Gegner. Die zunächst männlichen Häftlinge wurden 1937 zum Aufbau des KZ Buchenwald eingesetzt, die Lichtenburg diente danach als zentrales Frauen-Konzentrationslager.

Die Lagergemeinschaft fordert nachdrücklich, dass Bundes- und Landesregierung ihrer in der Entschließung des Europaparlaments vom 13. Februar 1993 festgehaltenen Verpflichtung zum "Schutz der Stätten der von den Nationalsozialisten errichteten Konzentrationslager als historische Mahnmale" nachkommen. Dies erfordere eine Übernahme der Lichtenburg in das Gedenkstättenkonzept des Landes Sachsen-Anhalts, die anteilige Finanzierung der Gedenkstätte durch den Bund und eine der historischen Bedeutung des Ortes angemessene Nutzung in öffentlicher Hand.

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Christine Krause