Erklärung zur Lichtenburg

 

Prettin, 1. Juni 2003

Die Vertreter von 7 Opferverbänden, darunter die Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft / Freundeskreis Lichtenburg und die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der ersten Häftlingstransporte im Juni 1933 erklären einmütig und mit aller Entschiedenheit ihren Widerspruch zum Verkauf des KZ Lichtenburg und zur Auslagerung der Mahn- und Gedenkstätte Schloss Lichtenburg in ein nicht mehr authentisches Nebengebäude, welches vom Schlossgebäude mit den Häftlingsunterkünften und den Werkstätten abgetrennt werden soll.

Für die ehemaligen Häftlinge und ihre Angehörigen und für die Verfolgten des Naziregimes ist die Vermarktung eines Konzentrationslagers ein unerhörter Skandal, der bisher einmalig ist. Er schadet dem internationalen Ansehen der Bundesrepublik Deutschland. Das Europaparlament stellte die Nazikonzentrationslager unter europäischen und internationalen Schutz. Der Kampf der Antifaschisten in Deutschland und ihre Beteiligung in den Reihen der alliierten Streitkräfte und Partisanen haben international ein hohes Ansehen und waren eine der bedeutsamsten Grundlagen, die nach 1945 den Weg zur Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die Völkergemeinschaft ermöglicht haben.

Der KZ-Komplex Schloss Lichtenburg ist die einzige authentische Stätte eines frühen Konzentrationslagers in Regie der SS, die in ihrer baulichen Substanz noch weit gehend erhalten ist.

Trotz zahlreicher Proteste im In- und Ausland und trotz zahlreicher Artikel und Sendungen in den Medien beharrt die Landesregierung auf ihren für uns unerträglichen Standpunkt. Das Schloss Lichtenburg verfällt. Das Problem des Schlosses Lichtenburg ist seit Jahren bekannt, ohne dass eine vernünftige Lösung gefunden wurde. Wir fordern die Bundesregierung als Eigentümer des Schlosses Lichtenburg und die Landesregierung Sachsen-Anhalt, als die für die Gedenkstätten verantwortliche Institution auf, endlich gemeinsam mit den Opferverbänden eine Konzeption zur Erhaltung der Anlage und einer mit dem Gedenken zu vereinbarenden Nutzung zu erarbeiten. Es dürfen nicht noch mehr Spuren der nationalsozialistischen Verbrechen verwischt werden.

Wir werden uns niemals mit den Plänen der Bundesvermögensverwaltung und der Landesregierung Sachsen-Anhalt abfinden und alles tun, diesen unerhörten Skandal zu verhindern. Konstruktiven Vorschlägen einer sinnvollen Nutzung zum Beispiel als Jugendbegegnungsstätte oder als Bildungseinrichtung haben wir uns nie verschlossen.

Wir rufen unsere Mithäftlinge und Mitstreiter im Widerstand, die Angehörigen der Streitkräfte der Anti-Hitler-Koalition und unsere Kameraden der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) auf:

Kämpft mit uns gemeinsam gegen die Vermarktung eines ehemaligen Nazikonzentrationslagers und gegen die Auslagerung der Mahn- und Gedenkstätte Schloss Lichtenburg aus dem historischen Ort! Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand,
Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener. e.V.
Lagergemeinschaft Ravensbrück Freundeskreis e. V.
Lagerarbeitsgemeinschaft Arbeitsgruppe Homosexuelle Bund der Antifaschisten
Buchenwald-Dora und Kirche e.V. (HUK) Sachsen-Anhalt e.V.
Lagerarbeitsgemeinschaft / Freundeskreis Lichtenburg
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes /Bund der Antifaschisten e.V.

Kontaktadresse, Information und Dokumentation:

Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener e. V.
E-Mail: ivvdn_sachsen_anhalt@web.de